Zwischen Wut und Mitgefühl: Warum meine Stimme laut ist, aber mein Ziel Frieden heißt

Wenn ich mich über Veganismus äußere, kann es passieren, dass ich in Diskussionen lauter werde. Manchmal werde ich sogar als aggressiv wahrgenommen. Und ehrlich gesagt: Ja, ich verstehe, warum das so rüberkommen kann. Ich bin ein Mann, der nicht einfach still bleibt, wenn Unrecht geschieht – vor allem dann nicht, wenn es um Lebewesen geht, die keine Stimme haben. In meinem Inneren brodelt es, wenn ich über Tierleid nachdenke, über Schlachthäuser, über Massentierhaltung, über systematisches Töten.

Und dann frage ich mich oft: Was wiegt schwerer? Ein scharfes Wort von mir oder das tatsächliche Abschlachten von Leben?

Die Macht der Sprache vs. die Realität der Gewalt

Menschen reagieren empfindlich auf Tonfall, Ausdruck und Emotionen. Das ist verständlich. Doch ich lade Dich ein, einen Moment innezuhalten und diese Situation umzudrehen: Wie würdest Du reagieren, wenn Du wüsstest, dass hinter fast jeder Mahlzeit, die täglich konsumiert wird, ein Leben stand, das gewaltsam beendet wurde? Würdest Du ruhig bleiben? Diplomatisch diskutieren?

Mir fällt das nicht immer leicht.

Wenn ich über Tiere spreche, spreche ich über fühlende Wesen. Über Wesen, die Schmerz, Angst, Freude und Bindung empfinden. Ich denke an Kühe, die nach ihren Kälbern schreien. An Schweine, die intelligenter als Hunde sind und doch in dunklen, stinkenden Ställen ihr Dasein fristen. An Hühner, die nie den Himmel sehen. Und ich frage mich: Wo bleibt da unser Mitgefühl?

Warum mir oft das Herz auf der Zunge liegt

Ich wurde schon oft als militant bezeichnet. Als missionarisch. Arrogant. Überheblich. Und doch weiß ich: Genau bei dem Thema, das diese Menschen so triggert – den Veganismus –, bin ich das am wenigsten.

Denn ich bin nicht wütend, weil ich mich für etwas Besseres halte. Ich bin wütend, weil ich mich für andere stark mache. Für Lebewesen, die keine Lobby haben. Für die Kühe, Schweine, Hühner, Fische, die Tag für Tag unter systematischer Ausbeutung leiden – und für die wir nicht einmal bereit sind, ein wenig Bequemlichkeit aufzugeben.

Meine sogenannte Aggression ist nichts anderes als Empathie, die keine passende Ausdrucksform mehr findet.

Warum es nicht um mich geht – und doch alles mit mir zu tun hat

Ich bin vegan geworden, weil ich irgendwann nicht mehr wegsehen konnte. Ich habe Dokus gesehen, Bücher gelesen, Zahlen überprüft. Was ich da erfahren habe, hat mich erschüttert. Aber auch wachgerüttelt. Ich konnte mein Verhalten nicht mehr rechtfertigen – und habe begonnen, es zu ändern.

Veganismus ist für mich kein Verzicht. Es ist eine Entscheidung für etwas: Für Leben, für Mitgefühl, für Verantwortung.

Natürlich nervt es mich, wenn Menschen dann genervt reagieren – obwohl ich nicht sie, sondern ein System kritisiere. Ein System, das uns beigebracht hat, Tierliebe zu predigen und gleichzeitig Tiere zu essen. Das uns vorgaukelt, Fleisch sei notwendig, obwohl die Wissenschaft längst das Gegenteil sagt.

Es ist, als würde ich gegen eine Wand aus Bequemlichkeit reden.

Was mich trotzdem ruhig bleiben lässt

Ich weiß, dass ich mit meiner Haltung nicht immer Sympathiepunkte sammle. Und ich habe gelernt, dass echte Veränderung nicht durch Anschuldigungen entsteht, sondern durch Verbindung.

Deshalb frage ich mich immer häufiger: Wie kann ich mit Dir reden, ohne Dich zu verlieren?

Ich will nicht, dass Du das Gefühl hast, ich verurteile Dich. Denn das tue ich nicht. Ich weiß, wie schwer es ist, eingefahrene Verhaltensmuster zu hinterfragen. Ich war selbst an dem Punkt. Ich habe Fleisch gegessen. Ich habe Tiere geliebt – und trotzdem ihr Leid ignoriert. Ich habe mich gut gefühlt, während ich Teil eines Systems war, das auf Ausbeutung beruht. Ich war da, wo viele heute noch sind.

Und ich habe verstanden: Veränderung beginnt nicht mit Druck, sondern mit Empathie. Mit einem Gespräch auf Augenhöhe. Mit echten Fragen – und ehrlichen Antworten.

Warum wir alle militant sein sollten – im besten Sinne

Das Wort „militant“ hat einen negativen Beigeschmack. Es klingt nach Fanatismus, nach Zwang, nach Konfrontation. Aber was, wenn wir dieses Wort neu besetzen?

Was, wenn „militant“ sein bedeutet: unbeirrbar an Mitgefühl festhalten? Kompromisslos für Gewaltfreiheit einstehen? Radikal in der Liebe sein – zu allen Lebewesen?

Dann, ja: Dann bin ich militant. Und ich hoffe, Du wirst es auch.

Ein Appell an Dein Herz

Wenn Du bis hierhin gelesen hast, danke ich Dir. Wirklich. Das bedeutet, dass Du offen bist. Und dass Du bereit bist, Dich mit einem Thema zu beschäftigen, das unbequem ist – aber wichtig.

Ich lade Dich ein: Stell Dir vor, wie es wäre, wenn Du im Körper eines dieser Tiere wärst. Wenn Du fühlen würdest, was sie fühlen. Wenn Du darauf angewiesen wärst, dass jemand für Dich aufsteht. Laut wird. Hartnäckig bleibt.

Ich will dieser Jemand sein. Und ich hoffe, ich kann Dir zeigen, dass es nicht um Provokation geht – sondern um Fürsorge.

Denn am Ende, da geht es nicht um Veganer:innen gegen Fleischesser:innen. Es geht um uns alle. Um unser Mitgefühl. Unsere Verantwortung. Unseren Platz in einer Welt, die dringend mehr davon braucht.

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