Warum das Verbot der Antifa absoluter Blödsinn ist – Ein persönlicher Kommentar

Ich bin kein Mitglied irgendeiner Antifa-Gruppe. Ich bin auch kein Berufsaktivist, der sich jeden Samstag auf Demos herumtreibt. Aber ich bin ein politisch denkender Mensch, der sich mit Geschichte, Demokratie und Freiheit auseinandersetzt. Und wenn ich sehe, wie Politiker:innen in den USA und den Niederlanden versuchen, „die Antifa“ als Terrororganisation zu verbieten, dann platzt mir der Kragen. Warum? Weil das nicht nur juristisch unsinnig ist, sondern auch gefährlich für unsere Demokratie. Ich will Dir erklären, warum.

🧠 Was ist „die Antifa“ überhaupt?

Fangen wir mit dem Grundproblem an: Es gibt die Antifa nicht. Jedenfalls nicht so, wie es Politiker:innen wie Donald Trump oder Geert Wilders gerne darstellen. Antifa ist keine Organisation mit Vorstand, Mitgliedsausweisen und einem zentralen Büro. Es ist ein Sammelbegriff für Menschen, die sich antifaschistisch engagieren – gegen Rassismus, gegen Rechtsextremismus, gegen autoritäre Tendenzen.

In Deutschland sagt der Verfassungsschutz ganz klar: „Die ‚Antifa‘ im Sinne einer bundesweit agierenden, klar umgrenzten und strukturell auf eine gewisse Dauer verfestigten Organisation dieses Namens existiert derzeit nicht.“ Auch in den USA kam der Forschungsdienst des Kongresses zu dem Schluss, dass Antifa aus „unabhängigen, radikalen, gleichgesinnten Gruppen und Einzelpersonen“ besteht.

Wenn Du also „die Antifa“ verbieten willst – was genau willst Du verbieten? Eine Idee? Eine Haltung? Eine lose Bewegung? Das ist juristisch kaum greifbar und politisch höchst bedenklich.

⚖️ Was ist in den Niederlanden passiert?

Im September 2025 hat das niederländische Parlament einen Antrag angenommen, der die Regierung auffordert, die Antifa als terroristische Organisation einzustufen. Der Antrag kam von rechten Parteien wie Geert Wilders’ PVV und dem Forum voor Democratie. Die Begründung: Antifa-Zellen seien aktiv, bedrohten Politiker:innen, schüchterten Journalist:innen ein und griffen zu Gewalt.

Aber: Der Antrag ist kein Gesetz, sondern eine politische Aufforderung. Die Regierung muss ihn nicht umsetzen. Und selbst wenn sie es wollte – wie soll das gehen? Der Extremismusforscher Carel Brendel sagte dem „De Telegraaf“: „Es ist kein Verein mit Vorstand und Satzung. Es handelt sich um lose Elemente. …] Man weiß gar nicht, was man verbieten soll.“[

🇺🇸 Und was macht Trump?

Donald Trump hat nach dem Attentat auf den rechten Aktivisten Charlie Kirk ein Dekret unterzeichnet, das die Antifa in den USA offiziell als „terroristische Organisation“ einstuft. Er nennt sie eine „radikal linke Katastrophe“ und will sogar die Geldgeber:innen der Bewegung strafrechtlich verfolgen lassen.

Das ist nicht neu. Schon in seiner ersten Amtszeit wollte Trump die Antifa verbieten. Damals sagte der FBI-Chef Christopher Wray: „Antifa ist eine Bewegung oder eine Ideologie, keine Gruppe.“ Aber Trump ignoriert das. Für ihn ist Antifa ein Feindbild, das er politisch ausschlachten kann.

🧨 Warum das gefährlich ist

Ich sage es ganz deutlich: Das ist kein Kampf gegen Extremismus. Das ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit. Wenn Du eine Bewegung verbietest, die sich gegen Faschismus stellt, dann kriminalisierst Du antifaschistisches Engagement. Du schaffst ein Klima der Angst, in dem Menschen sich nicht mehr trauen, gegen rechte Hetze aufzustehen.

Und das ist kein theoretisches Problem. In den USA wurden bereits Journalist:innen und Demonstrant:innen unter dem Vorwurf der „Antifa-Zugehörigkeit“ festgenommen. In den Niederlanden könnte ein solches Verbot dazu führen, dass linke Aktivist:innen überwacht oder eingeschüchtert werden – nur weil sie sich gegen Rassismus engagieren.

🔍 Was ist mit Gewalt?

Natürlich gibt es innerhalb der Antifa-Bewegung auch Gruppen, die Gewalt anwenden. Das ist nicht zu leugnen. Aber das gilt auch für rechtsextreme Gruppen – und die werden nicht pauschal als Terrororganisation eingestuft. Die Frage ist: Geht es um tatsächliche Gewalt oder um politische Stimmungsmache?

Wenn Du Gewalt bekämpfen willst, dann musst Du das differenziert tun. Du musst Straftaten verfolgen, egal von wem sie begangen werden. Aber Du darfst nicht eine ganze Bewegung unter Generalverdacht stellen, nur weil einige ihrer Anhänger:innen über die Stränge schlagen.

🧭 Warum ich mich antifaschistisch positioniere

Ich bin kein Extremist. Ich bin ein Demokrat. Aber ich bin auch jemand, der aus der Geschichte gelernt hat. Faschismus beginnt nicht mit Konzentrationslagern. Er beginnt mit der Entmenschlichung, mit der Hetze, mit dem Schweigen der Mehrheit. Und deshalb ist antifaschistisches Engagement für mich kein Extremismus, sondern eine demokratische Pflicht.

Wenn ich sehe, wie rechte Parteien versuchen, Antifaschismus zu kriminalisieren, dann weiß ich: Hier geht es nicht um Sicherheit. Hier geht es um Macht. Um die Kontrolle über den Diskurs. Um die Einschüchterung von Menschen, die sich gegen rechte Politik stellen.

🛡️ Was Du tun kannst

Wenn Du das genauso siehst wie ich, dann kannst Du etwas tun:

Informiere Dich: Lies nicht nur Schlagzeilen, sondern auch Hintergrundberichte. Verstehe, was Antifa wirklich bedeutet.
Sprich darüber: Kläre Freund:innen, Kolleg:innen und Familie auf. Viele wissen gar nicht, was hinter dem Begriff steckt.
Engagiere Dich: Unterstütze antifaschistische Initiativen, sei es durch Spenden, Teilnahme an Veranstaltungen oder durch Deine Stimme.
Widersprich: Wenn jemand behauptet, Antifa sei eine Terrororganisation, dann widersprich. Freundlich, aber bestimmt.

🧾 Fazit

Das Verbot der Antifa ist nicht nur juristisch unsinnig, sondern auch politisch gefährlich. Es ist ein Angriff auf die Meinungsfreiheit, auf zivilgesellschaftliches Engagement und auf die demokratische Kultur. Wer Antifaschismus kriminalisiert, macht sich gemein mit autoritären Tendenzen.

Ich stehe dazu: Ich bin antifaschistisch. Nicht, weil ich Gewalt gutheiße. Sondern weil ich weiß, wie gefährlich Faschismus ist. Und weil ich glaube, dass wir als Gesellschaft die Pflicht haben, ihm entgegenzutreten – laut, klar und solidarisch.

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