„Linksgrün versifft“ – Warum ich Diskussionen beende, wenn dieser Begriff fällt

Es gibt Momente in politischen Debatten, in denen ich sofort weiß: Hier führt kein Weg mehr hin zu einem Austausch, der diesen Namen verdient. Ein solcher Moment ist für mich erreicht, wenn jemand den Begriff „linksgrün versifft“ in den Raum wirft. Und ich sage das bewusst so deutlich, weil ich in den letzten Jahren immer wieder erlebt habe, wie dieser Ausdruck jede Form von Gesprächskultur zerstört. 

In diesem Artikel möchte ich Dir erzählen, warum dieser Begriff für mich ein sofortiges Stoppsignal ist, was er über die politische Kommunikation in Deutschland verrät und warum es wichtig ist, Grenzen zu ziehen, bevor man sich in endlosen, destruktiven Schleifen verliert.



Wenn ein Wort mehr sagt als ein ganzes Argument

Ich habe irgendwann verstanden, dass bestimmte Wörter nicht einfach nur Wörter sind. Sie sind Marker. Signale. Kleine Leuchttürme, die anzeigen, in welchem Diskursraum sich jemand bewegt – und ob dieser Raum überhaupt offen ist für Austausch.

„Linksgrün versifft“ ist so ein Marker. 

Er sagt nicht: „Ich sehe das anders.“ 
Er sagt: „Ich will Dich nicht verstehen.“ 

Er sagt nicht: „Lass uns diskutieren.“ 
Er sagt: „Ich habe mein Feindbild, und Du gehörst dazu.“ 

Und er sagt vor allem: „Ich habe kein Interesse an Argumenten, sondern an Abwertung.“

Wenn jemand so einsteigt, dann weiß ich: Die Diskussion ist vorbei, bevor sie begonnen hat.



Woher dieser Begriff kommt – und warum das wichtig ist

Ich will hier keine politischen Etiketten verteilen, aber ich kann erklären, was Sprachforschung und politische Kommunikation über solche Begriffe sagen.

Begriffe wie „linksgrün versifft“ stammen aus extrem rechten Diskursräumen. Sie wurden dort geprägt, verbreitet und strategisch eingesetzt, um politische Gegner:innen zu entmenschlichen und demokratische Debatten zu vergiften. 

Das ist keine Meinung, sondern ein gut dokumentierter Befund aus der Analyse politischer Sprache.

Wenn jemand diesen Begriff benutzt, übernimmt er also eine Sprache, die bewusst dafür geschaffen wurde, Dialog zu verhindern. 

Das heißt nicht automatisch, dass jede Person, die ihn benutzt, ideologisch vollständig dort verortet ist. Manche übernehmen solche Begriffe unreflektiert, andere nutzen sie bewusst als Kampfbegriff, wieder andere wollen einfach provozieren. 

Aber eines bleibt: 
Wer diesen Begriff benutzt, entscheidet sich für eine Form der Kommunikation, die aus extremistischen Kontexten stammt und demokratische Auseinandersetzung erschwert.

Und das reicht mir, um zu sagen: Danke, aber nein.



Warum ich Diskussionen an dieser Stelle abbreche

Ich habe früher versucht, trotzdem weiterzureden. Ich habe argumentiert, erklärt, nachgefragt. Ich wollte verstehen, wollte Brücken bauen, wollte zeigen, dass man auch bei harten Themen respektvoll bleiben kann.

Aber irgendwann habe ich gemerkt: 
Es ist nicht meine Aufgabe, gegen Mauern zu reden.

Wenn jemand mit einem Begriff einsteigt, der mich nicht als Gesprächspartner, sondern als Feind markiert, dann ist das kein Dialog. Dann ist das ein Schlagabtausch, bei dem ich nur verlieren kann – nicht, weil meine Argumente schlecht wären, sondern weil die andere Seite gar keine Argumente will.

Ich bin ein Mann, der viel diskutiert, der politisch aktiv ist, der sich einmischt. Aber ich bin nicht bereit, meine Zeit und Energie in Gespräche zu stecken, die von Anfang an vergiftet sind.

Und ja, ich sage das bewusst so klar: 
Ich diskutiere nicht mit Menschen, die mich oder andere mit solchen Begriffen abwerten.

Nicht, weil ich Angst habe. 
Nicht, weil ich keine Argumente hätte. 
Sondern weil ich meine Würde nicht auf dem Altar der „man muss doch mit allen reden“-Illusion opfern werde.



Was solche Begriffe mit unserer politischen Kultur machen

Wenn wir über politische Sprache reden, reden wir nicht über Kleinigkeiten. Sprache ist nicht nur Ausdruck von Denken – sie formt Denken. Sie schafft Realitäten. Sie grenzt ein und aus. 

Begriffe wie „linksgrün versifft“ haben mehrere Funktionen:

Sie pathologisieren politische Positionen. 
  „Versifft“ ist kein politisches Argument, sondern eine hygienische Abwertung.

Sie entmenschlichen. 
  Wer „versifft“ ist, ist nicht mehr Teil eines demokratischen Wir.

Sie emotionalisieren. 
  Der Begriff soll Ekel auslösen, nicht Nachdenken.

Sie schaffen Feindbilder. 
  „Linksgrün“ wird zu einer homogenen Masse erklärt, die angeblich schuld ist an allem.

Sie verhindern Diskussion
  Denn wer so spricht, hat sich längst entschieden.

Solche Begriffe sind nicht zufällig so gebaut. Sie sind Werkzeuge. Und sie wirken.



Warum ich den Begriff nicht relativiere

Ich habe oft gehört: „Ach komm, das ist doch nur ein Wort.“ 
Oder: „Nimm das nicht so ernst.“ 
Oder: „Das ist doch nur Provokation.“

Aber genau das ist das Problem: 
Wir haben uns so sehr an diese Sprache gewöhnt, dass wir vergessen, wie zerstörerisch sie ist.

Ich bin nicht bereit, das zu normalisieren. 
Ich bin nicht bereit, es als „Meinung“ durchgehen zu lassen, wenn jemand mich oder andere entmenschlicht. 
Ich bin nicht bereit, mich an eine Sprache zu gewöhnen, die ausgerechnet dazu dient, Menschen mundtot zu machen.

Und deshalb sage ich klar: 
Wenn jemand diesen Begriff benutzt, ist für mich die Diskussion beendet.

Nicht, weil ich die Person kategorisch in eine Schublade stecke. 
Sondern weil ich die Sprache erkenne – und weiß, was sie bedeutet.



Was ich stattdessen tue

Ich ziehe Grenzen. 
Ich entscheide bewusst, wo ich meine Energie investiere. 
Ich suche Gespräche, die auf Augenhöhe stattfinden. 

Und ich spreche mit Menschen, die wirklich diskutieren wollen – nicht mit denen, die nur ihre Feindbilder pflegen.

Ich habe gelernt, dass es ein Akt der Selbstachtung ist, destruktive Gespräche zu verlassen. 
Und ein Akt der politischen Hygiene, sich nicht in rhetorische Schlammschlachten ziehen zu lassen.



Warum es wichtig ist, dass wir darüber reden

Ich schreibe diesen Artikel nicht, um mich zu beschweren. 
Ich schreibe ihn, weil ich glaube, dass wir als Gesellschaft lernen müssen, solche Begriffe nicht einfach durchgehen zu lassen.

Wir müssen erkennen:

– dass Sprache politische Räume öffnet oder schließt 
– dass Worte Macht haben 
– dass Abwertung kein Argument ist 
– dass Demokratie Respekt braucht 
– dass wir nicht alles akzeptieren müssen, nur weil es laut ist 

Und wir müssen lernen, Grenzen zu ziehen, bevor wir uns in endlosen, toxischen Debatten verlieren.



Was Du für Dich mitnehmen kannst

Wenn Du selbst politisch aktiv bist, wenn Du diskutierst, wenn Du Dich einmischt, dann kennst Du diese Situationen wahrscheinlich auch. Vielleicht hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht. Vielleicht hast Du Dich gefragt, ob Du zu empfindlich bist, wenn Du Diskussionen abbrichst.

Ich sage Dir: 
Nein, bist Du nicht.

Es ist nicht empfindlich, Grenzen zu setzen. 
Es ist nicht empfindlich, destruktive Sprache nicht zu akzeptieren. 
Es ist nicht empfindlich, sich selbst zu schützen.

Es ist notwendig.



Mein Fazit

Ich bin ein Mann, der gerne diskutiert, der politisch denkt, der sich einmischt. Aber ich habe gelernt, dass nicht jede Diskussion eine ist. 

Wenn jemand mit „linksgrün versifft“ einsteigt, dann ist das kein Gespräch. 
Es ist ein Angriff. 
Ein rhetorischer Schlag. 
Ein Versuch, mich in eine Ecke zu stellen, in die ich nicht gehöre.

Und deshalb sage ich klar: 
Mit solchen Menschen diskutiere ich nicht.

Nicht aus Schwäche. 
Sondern aus Stärke. 
Aus Selbstachtung. 
Und aus dem Wissen heraus, dass Demokratie nicht durch Lautstärke, sondern durch Respekt lebt.

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