Es gibt so ein paar Klassiker, die in Kommentarspalten zum Thema Veganismus einfach nie sterben. Einer davon ist mein persönliches Highlight:
„Pflanzen haben auch Gefühle!“
oder
„Woher willst Du wissen, dass Pflanzen keinen Schmerz empfinden?“
Ich sag’s ganz offen: Nach allem, was wir wissenschaftlich wissen, ist das kompletter Unsinn. Sollte sich daran irgendwann etwas ändern, reden wir neu darüber. Aber Stand jetzt ist das einfach keine ernstzunehmende Position.
Trotzdem möchte ich mich hier einmal bewusst darauf einlassen, so als ob es stimmen würde. Nicht, weil ich das glaube, sondern weil es zeigt, wie absurd dieses „Argument“ eigentlich ist – und wie wenig die Leute, die es benutzen, über die Konsequenzen nachgedacht haben.
Wenn Pflanzen Schmerz empfinden – dann ist Veganismus die logischste Konsequenz
Stell Dir vor, Pflanzen hätten ein Nervensystem, ein Bewusstsein, Schmerzempfinden – all das, was wir bei Tieren kennen.
Was würde das bedeuten?
Ganz einfach:
Dann wäre es moralisch geboten, so wenige Pflanzen wie möglich zu „verbrauchen“.
Und jetzt kommt der Punkt, den Pflanzenrechts‑Aktivist:innen‑auf‑Zeit in Kommentarspalten immer übersehen:
Tierprodukte verbrauchen viel mehr Pflanzen als eine vegane Ernährung
Um ein Tier zu mästen, musst Du es jahrelang mit Pflanzen füttern.
Für 1 kg Rindfleisch brauchst Du etwa 10–16 kg Pflanzen.
Für Schwein 4–7 kg.
Für Geflügel, Milch und Eier gilt dasselbe Prinzip.
Tiere sind Pflanzenvernichtungsmaschinen.
Wenn Du also Pflanzen schützen willst, ist das Schlimmste, was Du tun kannst: Tiere essen.
Und was isst Du eigentlich zu Deiner Currywurst?
Das ist der Teil, der mich immer ein bisschen amüsiert.
Die Leute, die „Pflanzen haben Gefühle!“ schreien, sitzen oft vor einer Currywurst mit:
– Pommes (Kartoffeln → Pflanzen)
– Curryketchup (Tomaten, Zucker, Gewürze → alles Pflanzen)
– eventuell Brötchen (Getreide → Pflanzen)
Sie essen also jetzt schon hauptsächlich Pflanzen – plus einen Teil, der noch mehr Pflanzen verbraucht: die Wurst oder das Fleisch.
Ich esse exakt das Gleiche, nur ohne den ineffizienten Umweg über ein Tier.
Die absurde Pointe
Wenn jemand sagt:
„Ich esse Tiere, um Pflanzen zu schützen!“
… dann ist das ungefähr so logisch wie:
„Ich verbrenne Geld, um Strom zu sparen.“
Was dieses „Argument“ wirklich zeigt
Es zeigt nicht, dass jemand plötzlich ein Herz für Pflanzen entdeckt hat.
Es zeigt, dass jemand ein Ausweichmanöver braucht, weil er oder sie sich mit der eigentlichen Frage nicht auseinandersetzen will:
Warum esse ich Tiere, obwohl ich es nicht müsste?
Und das ist okay.
Wir alle sind in einem System groß geworden, das Tierprodukte normalisiert.
Aber dann lass uns ehrlich darüber reden – und nicht mit Fantasie‑Argumenten arbeiten, die bei näherem Hinsehen das Gegenteil beweisen.
Fazit
Selbst wenn Pflanzen Schmerz empfinden würden, wäre Veganismus immer noch die ethischere Wahl.
Nicht, weil Pflanzen leiden, sondern weil ihr eigenes Argument sie dorthin führt.
Wenn Du Pflanzen schützen willst, iss weniger Tiere.
Wenn Du Tiere schützen willst, iss weniger Tiere.
Wenn Du die Umwelt schützen willst, iss weniger Tiere.
Es ist eigentlich ganz einfach.