Ich bin Single. Und das schon eine ganze Weile. Nein, ich bin nicht verzweifelt. Ich bin auch kein hoffnungsloser Romantiker, der sich in kitschigen Ideen verliert. Ich bin einfach ein Mann, der nach einer Beziehung, die mehr Chaos als Verlässlichkeit war, irgendwann den Stecker gezogen hat – emotional, mental, aber auch gesellschaftlich.
Denn weißt Du, was mir in der Datingwelt aufgefallen ist? Du kannst dutzende Profile durchswipen und findest Menschen, die sich für Menschenrechte, Tierschutz und Umweltschutz stark machen. Sie listen das stolz in ihrer Bio – fast wie Auszeichnungen. Aber wenn Du ein wenig tiefer bohrst, etwa beim Thema Ernährung, zeigt sich oft ein ganz anderes Bild. Kein veganer Lebensstil. Nicht mal vegetarisch. Einfach weiter wie bisher.
Und da frage ich mich: Wie passt das zusammen?
🌍 Umweltschutz ohne Veganismus – geht das?
Die Tierindustrie gehört zu den größten Verursacher:innen von Umweltzerstörung weltweit: Methanemissionen, Rodung von Regenwäldern für Weideflächen, Monokulturen für Futtermittel wie Soja – all das trägt erheblich zur Erderwärmung bei. Dabei ist Soja für vegane Ernährung meist gar nicht das Problem, sondern für die Massentierhaltung.
Wenn Du also Umweltschutz in Deiner Bio stehen hast, aber regelmäßig zu Fleisch greifst, unterstützt Du aktiv ein System, das diesen Schutz untergräbt. Das ist, als würdest Du beim Waldspaziergang Müll aufsammeln, um danach mit dem Geländewagen durch ein Naturschutzgebiet zu brettern.
Ich verstehe, dass sich nicht alle Menschen mit den ökologischen Folgen ihrer Ernährung auseinandersetzen. Aber wenn Du für Klimaschutz einstehst, ist der Blick auf den eigenen Teller kein Detail – sondern essenziell.
👥 Menschenrechte und die blinden Flecken der Tierindustrie
Das Thema Menschenrechte ist groß. Du denkst dabei vielleicht an faire Arbeitsbedingungen, Antidiskriminierung, Gleichberechtigung. Aber hast Du schon einmal hinterfragt, wie Arbeiter:innen in der globalen Fleischproduktion behandelt werden?
In vielen Ländern schuften ausländische Hilfskräfte unter Bedingungen, die mit „moderner Sklaverei“ nicht übertrieben beschrieben sind: Dumpinglöhne, fehlender Arbeitsschutz, gesundheitliche Risiken und psychische Belastung – besonders in Schlachthöfen und Großbetrieben.
Wer sich für Menschenrechte starkmacht, kann nicht schweigen, wenn innerhalb der Tierindustrie Menschen unterdrückt werden. Auch hier gilt: Haltung ist mehr als ein Hashtag – sie ist eine Handlung.
🐾 Tierschutz ohne Lebensschutz?
Jetzt wird’s besonders paradox. Denn Tierschutz und Fleischkonsum gleichzeitig in einem Profil zu haben, ist wie gegen Tierquälerei zu demonstrieren und dann Pelz zu tragen – ganz bewusst.
Ich lebe vegan, weil ich Tiere liebe. Nicht nur Hunde und Katzen. Auch Schweine, Kühe, Hühner. Das heißt: Ich will nicht, dass sie sterben müssen, damit ich satt werde. Ich will nicht, dass sie gequält, eingesperrt oder ausgenutzt werden.
Das ist für mich keine Dogmatik, sondern Empathie. Wenn Du Dich für Tierschutz aussprichst, bedeutet das nicht nur, süße Videos zu liken oder einmal im Jahr ans Tierheim zu spenden. Es heißt, Tiere als fühlende Individuen zu achten – mit Würde, Respekt und Konsequenz.
💔 Dating-Dissonanzen – Werte in der Swipe-Kultur
Als Mann, der auf der Suche nach einer Partnerin ist, mit der ich wirklich auf Augenhöhe leben kann, fällt mir diese Diskrepanz besonders auf. Ich swipe und stoße ständig auf Profile mit tollen Slogans – aber kaum jemand lebt das, was da steht.
Natürlich wünsche ich mir kein Spiegelbild meiner selbst. Aber gemeinsame Werte sind für mich keine nette Übereinstimmung – sie sind die Basis. Ich kann keine Beziehung führen mit jemandem, die bereit ist, für ein Steak über das Leiden anderer hinwegzusehen.
Und ja – das macht das Daten schwieriger. Aber auch ehrlicher.
🔍 Warum viele den Zusammenhang nicht sehen
Es wäre unfair zu behaupten, alle Menschen seien inkonsequent aus böser Absicht. Viele wissen es einfach nicht besser. Uns wird von klein auf beigebracht, dass Fleischkonsum „normal“ ist, dass Kühe „Milch geben“ und dass Fisch „gesund“ sei.
Die Industrie gibt sich Mühe, diese Narrative aufrechtzuerhalten – mit bunten Bildern, Werbeslogans und moralischem Nebel. So entsteht bei vielen eine kognitive Dissonanz: Sie wollen gut handeln, handeln aber innerhalb eines Systems, das sie von Anfang an anders konditioniert hat.
Diesen Widerspruch aufzulösen, braucht Mut. Selbstkritik. Und die Bereitschaft, neu zu denken.
❤️ Fürs Herz – aber auch für den Verstand
Eine Partnerschaft ist mehr als gemeinsames Lachen, Netflix-Abende und schöne Erinnerungen. Sie ist auch ein ethisches Fundament. Wer ich bin, was ich denke, wie ich lebe – das fließt in jeden Dialog, jede Entscheidung, jede Zukunftsplanung mit ein.
Wenn Du also auf einer Datingapp unterwegs bist und Menschen triffst, die „Umweltschutz“ oder „Menschenrechte“ groß in ihrer Bio schreiben, dann frag ruhig nach: Wie lebst Du das?
Nicht aus Arroganz. Sondern aus echtem Interesse. Denn wer ernsthaft für etwas einsteht, kann das auch erklären. Und wer sich für Gerechtigkeit einsetzt, zeigt sie auch auf dem Teller.
Ich weiß, dass meine Position für viele unbequem ist. Und dass vegan lebende Männer immer noch in eine Schublade gesteckt werden: zu weich, zu extrem, zu moralinsauer. Aber weißt Du was? Mir ist lieber, man sagt mir, ich sei unbequem – als dass ich bequem über das Leid anderer hinwegsehe.
🧭 Schlusswort: Dein Profil ist Deine Haltung
Dein Dating-Profil sagt mehr über Dich aus, als Du vielleicht denkst. Es ist wie ein kleiner politischer Raum, in dem Du zeigst, was Dir wichtig ist – und was Du bereit bist, zu leben.
Ich bin nicht auf der Suche nach Perfektion. Aber nach Ehrlichkeit. Und wenn Du Werte in Dein Leben trägst, dann trag sie auch in Deine Entscheidungen.
Wir brauchen mehr Menschen, die die Verbindung zwischen Denken und Tun erkennen. Die verstehen, dass Empathie nicht am Tellerrand endet. Und die bereit sind, auch beim Swipen Haltung zu zeigen.
Für Dich. Für mich. Für alle, die nicht sprechen können – aber umso mehr Gehör verdienen.