Warum die Kommunalwahl wichtiger ist, als Du denkst

Neulich bin ich durch die Stadt gelaufen, eigentlich nur auf dem Weg zum Supermarkt, und plötzlich hingen sie wieder überall: Wahlplakate. Diese typischen, bunten, manchmal kreativen, manchmal unfreiwillig komischen Botschaften, die einem von Laternenmasten entgegenlächeln. Und ich dachte mir: Ach stimmt, da war ja was. Kommunalwahl. 
Ehrlich gesagt hatte ich das gar nicht mehr so richtig auf dem Schirm. Vielleicht geht es Dir ähnlich. Zwischen Arbeit, Alltag, Nachrichtenflut und den großen politischen Debatten rutscht die Kommunalpolitik schnell nach unten im mentalen Stapel. Dabei betrifft sie uns im Alltag oft viel direkter als Bundes- oder Europapolitik.

Genau deshalb schreibe ich diesen Artikel. Ich möchte Dich daran erinnern, dass die Kommunalwahl nicht irgendeine Wahl ist, die man halt mitnimmt, wenn man gerade Zeit hat. Sie ist die demokratische Basis unseres Zusammenlebens. Und weil ich in Kassel lebe, nehme ich die Kommunalwahl 2026 hier vor Ort als Beispiel – aber das, was ich erkläre, gilt genauso für Menschen an der Nordsee, im Schwarzwald oder in den Alpen. Kommunalpolitik funktioniert überall nach denselben Grundprinzipien.

Also lass uns gemeinsam anschauen, was eine Kommunalwahl eigentlich ist, wer und was gewählt wird, wo sie im politischen System steht – und warum es so wichtig ist, dass Du Deine Stimme nutzt.


Was ist eine Kommunalwahl überhaupt?

Kommunalwahlen sind die Wahlen auf der untersten Ebene unseres demokratischen Systems. „Unterste Ebene“ klingt vielleicht nach „unwichtig“, aber das Gegenteil ist der Fall. Kommunen – also Städte, Gemeinden und Landkreise – sind die Ebene, auf der Politik am unmittelbarsten spürbar wird. Hier entscheidet sich, wie Dein Alltag aussieht.

Kommunalwahlen bestimmen, wer in Deiner Stadt oder Gemeinde:

– über den Nahverkehr entscheidet, 
– über Radwege, Straßen und Parkplätze, 
– über Schulen, Kitas und Jugendzentren, 
– über Kulturangebote, Sportstätten und Stadtteiltreffs, 
– über Grünflächen, Bäume und Klimaschutzmaßnahmen, 
– über Wohnungsbau, Mieten und Stadtentwicklung, 
– über soziale Angebote, Integration und Teilhabe.

Kurz gesagt: Kommunalpolitik ist die Politik, die Du jeden Tag siehst, hörst, spürst und manchmal auch verfluchst.

Während Bundespolitik große Linien setzt und Landespolitik Rahmenbedingungen schafft, wird auf kommunaler Ebene entschieden, wie diese Vorgaben konkret umgesetzt werden. Und oft haben Kommunen sogar eigene Gestaltungsspielräume, die weit über das hinausgehen, was viele denken.


Wo steht die Kommunalwahl im politischen System?

Wenn man das politische System als eine Art Pyramide betrachtet, sieht es ungefähr so aus:

1. Europäische Union – Europawahl 
2. Bund – Bundestagswahl 
3. Bundesländer – Landtagswahl 
4. Kommunen – Kommunalwahl 

Die Kommunalwahl steht also ganz unten – aber sie ist das Fundament. Ohne funktionierende Kommunen funktioniert kein Bundesland und kein Staat. Und das Grundgesetz verpflichtet die Länder sogar dazu, demokratisch gewählte kommunale Vertretungen zu garantieren.

Kommunen sind Selbstverwaltungskörperschaften. Das heißt: Sie dürfen und sollen viele Dinge selbst regeln. Sie haben eigene Parlamente, eigene Haushalte, eigene Verwaltungen und eigene politische Verantwortlichkeiten.


Was wird bei der Kommunalwahl gewählt?

Ich bleibe jetzt mal bei Kassel, weil ich hier lebe und die Plakate mich ja überhaupt erst daran erinnert haben, dass die Wahl ansteht. Aber die Struktur ist in vielen Bundesländern ähnlich.

1. Die Stadtverordnetenversammlung (Stadtparlament)
Das ist das wichtigste politische Gremium der Stadt. In Kassel sind das 71 Stadtverordnete. Sie entscheiden über:

– den Haushalt (also wofür Geld ausgegeben wird), 
– Bauprojekte und Stadtentwicklung, 
– Verkehrskonzepte, 
– Schulen, Kitas, Jugendhilfe, 
– Kulturförderung, 
– Umwelt- und Klimaschutz, 
– soziale Infrastruktur, 
– kommunale Betriebe.

Wenn Du so willst: Die Stadtverordnetenversammlung ist der „Bundestag der Stadt“.

2. Die Ortsbeiräte
Kassel hat 23 Stadtteile, und jeder davon hat einen eigenen Ortsbeirat. Das ist die direkteste Form politischer Vertretung, die wir haben. Ortsbeiräte:

– beraten zu allen Themen im Stadtteil, 
– können Anträge an das Stadtparlament stellen, 
– geben Stellungnahmen ab, 
– haben bei bestimmten Themen sogar Vetorechte.

Wenn Du Dich fragst, warum in Deinem Stadtteil plötzlich ein Zebrastreifen auftaucht oder warum ein Spielplatz saniert wird – oft steckt der Ortsbeirat dahinter.

3. Der Ausländerbeirat
Ein Gremium, das nur Menschen ohne deutschen Pass wählen dürfen. In einer Stadt wie Kassel, die sehr international ist, ist das extrem wichtig. Der Ausländerbeirat:

– vertritt die Interessen der internationalen Stadtgesellschaft, 
– berät Politik und Verwaltung, 
– kann eigene Initiativen starten.


Wer tritt zur Wahl an?

In Kassel – wie in vielen anderen Städten – treten zur Kommunalwahl:

– große Parteien, 
– kleinere Parteien, 
– und lokale Wählergemeinschaften

an.

Mehr musst Du für diesen Artikel gar nicht wissen. Entscheidend ist: Kommunalwahlen sind Persönlichkeitswahlen. 
Du kannst:

– Kandidat:innen direkt wählen, 
– Stimmen auf mehrere Listen verteilen (Panaschieren), 
– einzelnen Personen bis zu drei Stimmen geben (Kumulieren), 
– oder einfach eine komplette Liste ankreuzen.

Das gibt Dir eine Freiheit, die Du bei anderen Wahlen nicht hast.


Warum ist die Kommunalwahl so wichtig?

Ich sag’s mal ganz direkt: 
Wenn Du willst, dass sich in Deiner Stadt etwas verändert, dann ist die Kommunalwahl der Ort, an dem Du das am stärksten beeinflussen kannst.

1. Weil Kommunalpolitik Deinen Alltag bestimmt
Ob Du morgens sicher mit dem Rad zur Arbeit kommst, ob Dein Bus pünktlich fährt, ob Deine Miete bezahlbar bleibt, ob Dein Stadtteil lebendig ist – das alles wird kommunal entschieden.

2. Weil Kommunalpolitik nah ist
Du kannst Deine Stadtverordneten im Supermarkt treffen. Du kannst Ortsbeiratssitzungen besuchen. Du kannst Anträge stellen, Initiativen starten, Dich einbringen. 
Auf keiner anderen Ebene ist Politik so greifbar.

3. Weil Kommunalpolitik oft unterschätzt wird
Die Wahlbeteiligung ist niedriger als bei Bundes- oder Landtagswahlen. 
Das bedeutet: Deine Stimme wiegt mehr. 
Wenn nur 40 Prozent wählen gehen, entscheidet eine kleine Gruppe über die Zukunft der Stadt.

4. Weil Kommunalpolitik die Grundlage für alles andere ist
Eine Stadt, die gut funktioniert, stärkt das Vertrauen in Demokratie. 
Eine Stadt, die schlecht funktioniert, schwächt es.


Warum ich darüber schreibe

Ich bin jemand, der sich viel mit Politik beschäftigt – beruflich, privat, aktivistisch. Und trotzdem habe ich gemerkt, wie leicht es ist, die Kommunalwahl zu übersehen. 
Vielleicht, weil sie weniger mediale Aufmerksamkeit bekommt. 
Vielleicht, weil sie nicht so spektakulär wirkt wie Bundestagsdebatten. 
Vielleicht, weil sie so nah ist, dass man sie gar nicht mehr wahrnimmt.

Aber genau das ist der Punkt: Sie ist nah. Sie betrifft uns. Sie ist unsere.

Ich schreibe diesen Artikel, weil ich möchte, dass Du das nicht vergisst. 
Weil ich möchte, dass Du Deine Stimme nutzt. 
Weil ich möchte, dass wir gemeinsam dafür sorgen, dass unsere Städte lebenswert bleiben – egal ob Kassel, Husum, Freiburg oder Garmisch-Partenkirchen.


Ein Aufruf an Dich

Wenn Du bis hierhin gelesen hast, dann nimm bitte Folgendes mit:

– Kommunalpolitik ist wichtig. 
– Kommunalwahlen sind mächtig. 
– Deine Stimme zählt – vielleicht mehr als bei jeder anderen Wahl.

Informier Dich. 
Schau Dir die Listen an. 
Überleg, welche Themen Dir wichtig sind. 
Geh wählen.

Nicht, weil ich Dir sagen will, wen Du wählen sollst. 
Sondern weil ich möchte, dass Du überhaupt wählst. 
Weil Demokratie nur funktioniert, wenn wir sie nutzen.

Und wenn Du das nächste Mal an einem Laternenmast vorbeiläufst und ein Wahlplakat siehst, dann denk daran: 
Das ist nicht nur Deko. 
Das ist ein Hinweis darauf, dass Du mitbestimmen kannst, wie Deine Stadt in den nächsten fünf Jahren aussieht.

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