Diskriminierung als Werkzeug des Kapitalismus: Warum wir alle verlieren, wenn wir uns spalten lassen

Ich bin wütend. Und ehrlich gesagt: Ich bin auch müde. Müde davon, wie sich Diskriminierung in so viele Facetten unseres Alltags geschlichen hat – so selbstverständlich, dass viele sie gar nicht mehr hinterfragen. Aber ich will heute mit Dir darüber sprechen, warum ich glaube, dass all diese Formen der Unterdrückung – von Rassismus über Sexismus bis hin zu Ableismus oder Lookismus – nicht einfach nur „passieren“, sondern systematisch genutzt werden. Als Werkzeug. Im Dienste eines kapitalistischen Systems, das davon profitiert, dass wir uns nicht als Verbündete sehen.

🧠 Wie ich zu dieser Erkenntnis gekommen bin

Ich bin nicht als Antikapitalist geboren worden. Im Gegenteil – ich bin aufgewachsen in einer Umgebung, die Leistung, Aufstieg und Wettbewerb feiert. „Wenn Du nur hart genug arbeitest, wirst Du es schaffen“, hat man mir eingetrichtert. Doch irgendwann, je mehr ich mich mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen beschäftigt habe, je mehr ich zugehört, gelesen und erlebt habe, wurde mir klar: Dieses Versprechen gilt nicht für alle. Und es gilt nie für alle gleich.

🧩 Teile und herrsche – das älteste Prinzip der Machterhaltung

Der Kapitalismus braucht Hierarchien. Er lebt davon. Denn wenn wir alle gleich behandelt würden – fair bezahlt, gleich wertgeschätzt, solidarisch organisiert – dann bräuchte es dieses System, das Reichtum in den Händen weniger konzentriert, schlicht nicht.

Diskriminierung schafft künstliche Unterschiede. Unterschiede, die soziale Spaltungen vertiefen, Empathie blockieren und ein kollektives „Wir“ verhindern. Und genau das ist gewollt. Denn Menschen, die sich nicht solidarisieren, kämpfen nicht gemeinsam. Sondern gegeneinander.

🛑 Die Ablenkung von der eigentlichen Ungerechtigkeit

Wenn Menschen anfangen, ihre Wut nicht gegen ausbeuterische Arbeitsbedingungen, sondern gegen „die anderen“ zu richten – Geflüchtete, queere Menschen, Frauen, Menschen mit Behinderung – dann hat das System gewonnen.

Denn es bedeutet, dass wir vergessen haben, wo die Ursache unserer Ungleichheit wirklich liegt. Nicht bei denen, die „anders“ sind. Sondern bei denen, die uns allen weniger geben, damit sie selbst mehr bekommen.

👀 Lookismus, Ableismus & Co.: Die unsichtbaren Fronten

Besonders perfide finde ich die subtileren Formen von Diskriminierung. Lookismus zum Beispiel – also die Bevorzugung von „attraktiven“ Menschen – ist ein oft unbemerkter Hebel, um Menschen kleinzuhalten. Wer als „nicht präsentabel“ gilt, hat es schwerer auf dem Arbeitsmarkt, in der Politik, in den Medien.

Ableismus? Auch allgegenwärtig. Menschen mit Behinderung gelten oft nicht als „produktiv“ – ein Urteil, das im Kern entlarvt, worum es in unserer Gesellschaft eigentlich geht: Leistung. Verwertbarkeit. Funktionieren.

👨‍⚖️ Sexismus und das Patriarchat: Zwei Seiten derselben Medaille

Viele Männer denken, sie seien auf der „sicheren Seite“ des Patriarchats. Aber das ist ein Trugschluss. Auch wir Männer verlieren, wenn Geschlechterrollen zementiert werden. Wenn von uns erwartet wird, hart zu sein, rational, unnahbar. Wenn Emotionen als Schwäche gelten und Fürsorge abgewertet wird.

Der Kapitalismus liebt diese Rollenbilder, weil sie Menschen funktional machen: reproduzierbar, vorhersehbar, steuerbar. Und Frauen weiterhin doppelt belastet – im Job unterbezahlt, zu Hause unbezahlte Care-Arbeit. Die Profiteure sitzen woanders.

🌈 Homophobie & Queerfeindlichkeit: Kontrolle über Liebe

Dass queere Menschen bis heute in vielen Teilen der Welt um Anerkennung, Rechte und Schutz kämpfen müssen, ist kein Zufall. Es geht hier nicht bloß um Moral oder Religion – es geht um Kontrolle. Kontrolle über Lebensentwürfe, über Familienmodelle, über Sexualität.

Denn wer liebt, wie er:sie will, lebt auch, wie er:sie will. Und das passt nicht in ein System, das auf Normen, Konsum und klaren Rollen basiert.

💬 Aber ist das nicht zu extrem gedacht?

Vielleicht denkst Du jetzt: „Ist das nicht ein bisschen übertrieben? Diskriminierung gibt’s doch auch in nichtkapitalistischen Systemen.“ Und ja – das stimmt. Auch andere Gesellschaftsformen waren und sind nicht frei davon. Aber der Kapitalismus instrumentalisiert Diskriminierung auf besondere Weise. Er macht sie profitabel. Er nutzt sie, um Märkte zu kontrollieren, Menschen zu bewerten, Konsumverhalten zu steuern.

🤝 Intersektionalität: Warum wir gemeinsam stärker sind

Was mir Hoffnung macht, sind Bewegungen, die diese Zusammenhänge erkannt haben. Bewegungen, die Intersektionalität leben – also anerkennen, dass verschiedene Diskriminierungsformen sich überschneiden, verstärken und nicht getrennt voneinander gedacht werden können.

Es reicht nicht, „nur“ gegen Rassismus oder „nur“ gegen Sexismus zu kämpfen. Wir müssen anerkennen, wie eng alles miteinander verwoben ist – und dass wir einander brauchen, um echte Veränderung zu schaffen.

🔥 Was wir tun können

Ich will hier nicht nur analysieren. Ich will Dich auch ermutigen – und herausfordern. Denn Veränderung beginnt im Kleinen:

– 🚪 Hinterfrage Deine eigenen Privilegien: Wo hast Du Vorteile, die anderen verwehrt bleiben?
– 🗣️ Hör zu, statt zu sprechen: Lass marginalisierte Stimmen zu Wort kommen – und glaub ihnen.
– 💰 Konsumier bewusst: Unterstütze Unternehmen, die fair produzieren und Vielfalt ernst nehmen.
– 🤝 Solidarisier Dich: Geh auf Demos, unterschreib Petitionen, tritt Gruppen bei, die Diskriminierung bekämpfen.
– 🧠 Bildung ist Widerstand: Lies, lerne, frag nach. Denn Wissen schützt uns vor Manipulation.

❤️ Zum Schluss

Ich weiß, dass es schwer sein kann, sich mit all dem auseinanderzusetzen. Es tut weh, eigene blinde Flecken zu erkennen. Es macht wütend, wie tief diese Ungerechtigkeiten sitzen. Aber ich glaube fest daran, dass Aufklärung, Empathie und Solidarität der Schlüssel sind.

Nicht, um perfekt zu werden. Sondern, um menschlicher zu werden. Und um ein System zu überwinden, das uns spalten will – damit ein paar Wenige gewinnen, während wir alle verlieren.

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