Wenn Nazis offen AfD‑Events besuchen, ist das kein Zufall – es ist ein politisches Warnsignal

Ich begegne zwei Sorten von Rechtsextremen: Die einen, die sich nicht rechtsextrem nennen lassen wollen, und die anderen, die sich mit geschwellter Brust „Nationalsozialist“ oder „Faschist“ nennen und zu Hitlers Geburtstag eine fette Party schmeißen.

Beide Gruppen haben eines gemeinsam: Sie fühlen sich von der AfD angezogen. Und je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass das kein Missverständnis ist, sondern ein strukturelles Problem.

Nazis wählen die AfD – und sie tun es immer offener

Ich sehe Neonazis, die die AfD nicht nur wählen, sondern sie feiern. Und zwar nicht im Verborgenen, sondern mit voller Sichtbarkeit.
Bei Infoständen, Kundgebungen, Bürgerdialogen und anderen AfD‑Events tauchen immer mehr Menschen auf, die:

  • SS‑Totenköpfe tragen
  • „Blut und Ehre“ auf dem Shirt stehen haben
  • Sonnenräder präsentieren
  • Hakenkreuz‑Tattoos zeigen
  • oder gleich komplette Nazi‑Mode anhaben

Das sind keine „besorgten Bürger:innen“.
Das sind keine „Missverständnisse“.
Das sind Neonazis, die sich nicht mal mehr Mühe geben, es zu verstecken.

Und sie stehen dort nicht als Gegendemonstrant:innen.
Sie stehen dort als Wähler:innen und Unterstützer:innen der AfD.

Die Reaktion der AfD: „Einzelfall“ – wirklich?

Wenn solche Leute auftauchen, höre ich von AfD‑Vertreter:innen oft denselben Satz:

„Ja gut, der muss weg. Aber das ist ein Einzelfall und hat nix mit der AfD zu tun.“

Ich frage mich:
Wie viele „Einzelfälle“ braucht es, bis man erkennt, dass es ein Muster ist?
Wie viele SS‑Totenköpfe müssen auf AfD‑Events auftauchen, bis klar ist, dass das nicht zufällig passiert?

Wenn sich eine bestimmte Gruppe immer wieder von einer Partei angezogen fühlt, dann ist das kein Zufall.
Dann hat es etwas mit der Partei zu tun.
Mit ihren Inhalten.
Mit ihrer Sprache.
Mit ihren Feindbildern.
Mit ihrer politischen Ausrichtung.

Warum fühlen sich Nazis von der AfD angezogen?

Die Antwort ist unangenehm, aber sie liegt auf der Hand:
Weil die AfD Inhalte vertritt, die für Neonazis ideologisch kompatibel sind.

  • ethnonationalistische Narrative
  • migrationsfeindliche Positionen
  • die Abwertung demokratischer Institutionen
  • die Delegitimierung des Rechtsstaats
  • die Normalisierung autoritärer Denkweisen

Das ist genau das, was Neonazis wollen.
Natürlich wählen sie die AfD.
Natürlich feiern sie die AfD.
Natürlich tauchen sie dort auf.Das ist kein Zufall.
Das ist Kompatibilität.

Der Widerspruch: Nazis verachten Alice Weidel – und wählen sie trotzdem

Interessant ist, dass dieselben Neonazis, die die AfD wählen, Alice Weidel verachten.
Und zwar aus denselben Gründen, die auch AfD‑Gegner:innen nennen – nur mit völlig anderer Motivation.

Sie hassen an ihr:

  • dass sie lesbisch ist
  • dass ihre Partnerin aus Sri Lanka kommt
  • dass sie Kinder adoptiert hat statt „Blutlinie“ zu reproduzieren
  • dass sie im Ausland lebt
  • und dass sie als Frau eine Führungsposition innehat

Für Neonazis ist das alles „degeneriert“.
Für AfD‑Gegner:innen ist es ein Widerspruch zwischen Weidels Leben und dem Weltbild, das ihre Partei propagiert.
Die Argumente ähneln sich – die moralische Grundlage nicht.

Warum wählen Neonazis sie trotzdem?

Weil sie strategisch denken.
Sie wählen nicht Weidel.
Sie wählen die Richtung.

Und warum trifft sich die AfD mit Neonazis wie Sellner?

Wenn die AfD wirklich nichts mit Rechtsextremen zu tun hätte, warum gibt es dann Treffen, Gespräche und Kooperationen mit Leuten wie Martin Sellner – einem bekannten rechtsextremen Aktivisten?Warum arbeitet die AfD mit solchen Personen zusammen?
Warum gibt es strategische Abstimmungen?
Warum gibt es gemeinsame Projekte?
Warum gibt es Überschneidungen in Netzwerken, Kampagnen und Narrativen?

Das passiert nicht aus Versehen.
Das passiert, weil es politische Nähe gibt.

Höcke und die Öffnung für extrem rechte Gruppen

Björn Höcke fordert offen, dass die AfD sich für Gruppen öffnet, die bei anderen Parteien auf der Liste der Unvereinbarkeitsklausel stehen.
Das heißt: Gruppen, die so extrem sind, dass demokratische Parteien sich klar von ihnen distanzieren.

Warum will Höcke diese Öffnung?
Weil er genau weiß, dass diese Gruppen ideologisch zur AfD passen.
Weil er weiß, dass sie die gleiche Vision teilen.
Weil er weiß, dass sie die AfD als politisches Werkzeug sehen.

Und der Verfassungsschutz?

Der Verfassungsschutz hat die AfD in mehreren Bundesländern – und Teile der Partei bundesweit – als rechtsextremen Verdachtsfall eingestuft.
Das ist keine politische Meinung.
Das ist eine behördliche Einschätzung auf Basis von:

  • Reden
  • Programmen
  • Netzwerken
  • Personal
  • Strategien
  • dokumentierten extremistischen Bezügen

Wenn eine Partei als Verdachtsfall gilt, dann ist das ein Hinweis darauf, dass sie rechtsextreme Inhalte vertritt.

Mein Fazit

Wenn Nazis offen auf AfD‑Events auftauchen, ist das kein „Einzelfall“.
Es ist ein Symptom.
Ein Symptom dafür, dass die AfD Inhalte vertritt, die Neonazis attraktiv finden.
Ein Symptom dafür, dass die AfD sich nicht klar abgrenzt.
Ein Symptom dafür, dass die AfD mit extrem rechten Akteuren kooperiert.
Ein Symptom dafür, dass die AfD selbst rechtsextreme Positionen vertritt.

Und ganz ehrlich:
Wenn Neonazis auf Deiner Seite stehen, Dich feiern, Dich wählen und sich mit Dir zeigen – dann bist Du einfach auf der falschen Seite.

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